Angststörung: Ursache Nummer 1…

Die Zahl der Angsterkrankungen ist in den letzten 20 Jahren regelrecht explodiert.

Die Ursache? Wenn man die “Profis” fragt, liegt das Problem in der Kindheit.

Lässt du dich mit dieser Erklärung abspeisen? Nein? Ich auch nicht.

Ich glaube zu wissen, was wirklich dahinter steckt.

Es ist so offensichtlich und trotzdem spricht es niemand an…

Die Uhr schlägt “Angst”

Für die meisten Menschen herrscht Rund um die Uhr ein Klima der Angst und Ungewissheit.

  • Unsichere Jobs
  • Negative Schlagzeilen in Zeitung und TV (Terror, Krieg und Gewalt)
  • Ein nicht schaffbares Arbeitspensum
  • Finanzielle Absicherung im Alter ist zu einem Glücksspiel geworden
  • Ständige Erreichbarkeit

Mal ganz abgesehen von den “natürlichen Faktoren”, über die ich hier schon einmal geschrieben habe.

Das alles sind Faktoren, die in den letzten zwei Jahrzehnten enorm angestiegen sind und etwas in uns auslösen. Stress. Und davon nicht zu wenig.

Bin ich der Einzige, der genau dort das Problem sieht?

Wenn wir indoktriniert werden, täglich Angst zu haben, ist es dann noch verwunderlich, dass die Angst irgendwann die Überhand gewinnt und zur eigenständigen Erkrankung wird?

Wenn man sich die Statistiken zu der Entwicklung von psychischen Erkrankungen der letzten 20 Jahre anguckt, kann man die Verbindung nicht mehr leugnen.

Um das Ganze mal zu verdeutlichen, hier eine der besagten Statistiken.

Ich sage nicht, dass es keine Angststörungen aufgrund von Traumata oder anderen schwerwiegenden Erlebnissen gibt. Mir geht es hier lediglich um den raschen Anstieg der letzten Jahrzehnte, der meiner Meinung nach absolut auf die Schattenseiten unserer Gesellschaft zurückzuführen ist.

 

Der Kern der Angststörung

Eine Einsicht, die mich damals ein ganzes Stück weitergebracht hat, ist die, dass eine Angststörung eigentlich nichts weiter ist, als Stress durch Gedanken.

 

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Angst im natürlichen Sinne, entsteht impulsiv. Wenn du im Wald einem Bären begegnen, ist keine Zeit zum Nachdenken. Dein Körper wird schlagartig mit Stresshormonen geflutet. Bei einer Angststörung sieht das Ganze jedoch etwas anders aus. Hier entsteht die Angst nicht impulsiv, sondern wird von dir quasi selbst heraufbeschworen.

Ich kenne es ja von mir selber: Tage oder sogar Wochen vor einer Situation, die für mich unangenehm war, lief das Kopfkino. “Was ist wenn…”, “es könnte das passieren…”.

Diese Gedanken bzw. dieses anhaltende Grübeln löst Stress in dir aus. Und wenn dann der Tag gekommen ist, hast du dein System bereits so stark mit Stresshormonen überschwemmt, dass der Weg zur Panikattacke nicht mehr weit ist. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Zeit vor der vermeintlich schlimmen Situation immer um einiges schlimmer war, als die Situation an sich.

Ein hartnäckiger Fehlglaube ist auch, dass Angstzustände und Panikattacken nur “psychisch Kranken” vorbehalten sind. Jeder noch so gesunde Mensch verspürt Angst und erleidet Panikattacken, wenn die Konzentration der Stresshormone im Blut hoch genug ist. Denn…

Stress = Angst

Aus biologischer Sicht gibt es absolut keinen Unterschied zwischen Stress und Angst. Beides ist ein und dasselbe: Ein Cocktail aus Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin.

Die Intensität wird von der Konzentration der Stresshormone in deinem Blut bestimmt. Hinzukommend spielt die Geschichte, die du zu einer Stresssituation erfindest, eine entscheidende Rolle. Ängstliche Gedanken schütten zusätzlich mehr Stress aus, als reine Stressgedanken. Ich denke, es ist logisch, dass der Gedanke an den bevorstehenden Tod mehr Stresshormone ausschüttet als der Ärger über einen nervigen Arbeitskollegen.

Der Beweis, dass Stress und Angst ein und dasselbe Phänomen sind, ist meiner Meinung nach die Tatsache, dass jedes Angstsymptom gleichzeitig ein Stresssymptom ist.

Schau dir mal die häufigsten körperlichen Symptome einer Angststörung an:

  • Herzrasen
  • Schwindel
  • schwitzige Hände
  • Übelkeit
  • Zittern

Wenn du nach Stresssymptomen googelst, findest du was? Richtig! Genau dieselben Symptome.

 

Grundanspannung – Der kürzeste Weg zur Panikattacke

Um nochmal auf meine oben genannte Aussage “Diese Gedanken bzw. dieses anhaltende Grübeln löst Stress in dir aus. Und wenn dann der Tag gekommen ist, hast du dein System bereits so stark mit Stresshormonen überschwemmt, dass der Weg zur Panikattacke nicht mehr weit ist.” zurückzukommen. Dafür ist deine Grundanspannung verantwortlich.

Jeder Angstpatient kennt es: an weniger stressigen Tagen lässt auch die Angststörung meist weniger von sich hören. Bist du jedoch von Grund auf gestresst, steht auch die Angststörung schon mit einem Fuß in der Tür.

Deine Grundanspannung entscheidet, wie viel Platz noch im Stressfass vorhanden ist, bis es überläuft.

Jeder Sporttreibende und Meditierende folgende Situation kennen: Man hat den kritischen Wert erreicht und das Leben scheint wieder komplett aus dem Ruder zu laufen. Symptome sind in voller Intensität zu spüren.

Jetzt geht man zum Beispiel eine Stunde laufen oder 30 Minuten meditieren. Die Symptome verschwinden in wenigen Minuten, da der Stresswert wieder unter den kritischen Wert gefallen ist. Ich habe das Ganze mal grafisch dargestellt:

 

 

 

Ist deine Grundanspannung zum Beispiel durch tagelanges Grübeln stark erhöht, brauchst du nicht mehr viel, um den kritischen Wert zu erreichen, der das Stressfass letztendlich zum Überlaufen bringt.

Das Ergebnis: Panikattacken und starke Angstzustände.

Bei Angstpatienten ist die Grundanspannung meist um einiges höher, als bei Otto Normalverbrauchern. Deshalb reagieren Angstpatienten auf Stress auch ganz anders. Das Fass weißt von Anfang an einen viel höheren Füllstand auf.

 

Rückfälle bei gleichbleibender Grundanspannung

Von Verfechtern der "Angststörungen sind nicht heilbar"-These hört man oft folgendes: "Du bist nicht geheilt. Deine Symptome kommen wieder wenn du gestresst bist."

Diese These ist tatsächlich richtig. Aber auch nur wenn man seine Angststörung nicht gänzlich überwunden hat. Das Problem hierbei ist, dass oft Heilung und Symptomfreiheit in einen Topf geworfen werden.

Jemand der seine Angststörung überwunden hat, weißt eine viel geringere Grundanspannung auf, als jemand, der nur symptomfrei ist. Denn man kann auch symptomfrei sein, wenn man sich nur knapp unter dem kritischen Wert befindet.

Der Schlüssel zur Heilung liegt meiner Meinung nach in der Bekämpfung der Grundanspannung. Das ist meist mit einer drastischen Änderung deines Lebensstils verbunden. Läuft die Grundanspannung gegen null, läuft auch die irrationale Angst gegen null.

 

Wie man die Grundanspannung bekämpft?

Dazu einmal meine 3 wichtigsten Beiträge:

Meditation - Das mächtigste Werkzeug unserer Zeit

Unnatürliches Leben - Warum wir immer kränker werden

Selbstreflexion - Warum der Blick nach innen so wichtig ist

 

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5 Comments

  • LebenIst

    Reply Reply 18. Dezember 2018

    Liebe Andre,

    toller Blogeintrag! Stress und Angst werden zu Grundsteinen fast aller Volkserkrankungen.

    Diese führen schneller als gedacht zu Übergewicht, fördern das Rauchen, unterbinden Bewegung, und ehe man sich versieht landet man mit einem Infarkt im Krankenhaus.

    Auch toll, ist der Artikel zur Meditation! Da werde ich mir ein paar Sachen abgucken ! 🙂

    Wünsche dir besinnliche Feiertage

    • Andre

      Reply Reply 19. Dezember 2018

      Absolut! Der menschliche Körper ist einfach nicht für diese Art von chronischem Stress gemacht.
      Vielen Dank für die Blumen!
      Wünsche dir auch schöne Feiertage. Lass dich nicht vom Weihnachtschaos aus der Ruhe bringen 😉

  • Ines Hammer

    Reply Reply 19. Januar 2019

    Lieben Dank, dass du deine Ansichten zur Angststörung teilst und den Aspekt nicht alles kommt aus der Kindheit, sondern auch durch Gesellschaft/Umwelt, finde ich einen wichtigen Punkt. Schneller, höher, weiter – irgendwo sind die Grenzen und die Psyche macht nicht mehr so mit, wie wir erwarten. Viele Grüße Ines

  • Julia

    Reply Reply 23. Januar 2019

    Toller Artikel. Ich teile deine Meinung absolut.
    Man bekommt täglich suggeriert, alles müsse perfekt sein. Das Familienleben ist auf die Minute durchgetaktet, wer mal krank ist, wird schief angeschaut, andere Mütter scheinen das Recht und auch die Macht zu haben, einem zu diktieren, was ein Kind braucht, um glücklich aufzuwachsen, möglichst frühzeitig viel Förderung zu erfahren und später ein rundum erfolgreicher Mensch zu sein.
    Die menschliche Psyche hält dem jedoch auf Dauer nicht stand. Und vermeintliche Schwäche oder ein Abweichen von der “Norm” löst bei vielen Panik aus. Panik in einer Welt aus Perfektion nicht bestehen zu können.

    • Andre

      Reply Reply 23. Januar 2019

      Genau so ist es. Es ist echt traurig, dass viele Menschen weiterhin Teil dieser Gesellschaft bleiben wollen, obwohl diese so schädlich ist.

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