Vorsicht! Wie Stressbewältigung zu noch mehr Stress führt5 Minuten Lesedauer

Viele Menschen leben in dem Glauben, dass man mit Stressbewältigung absolut nichts falsch machen kann. Denn solange man den Stress bekämpft ist doch alles gut, oder?

Es ist von absoluter Wichtigkeit, seinen Stress zu bewältigen. Denn Stress schlägt nicht nur auf die Psyche, sondern bringt außerdem jede Menge körperlicher Begleiterscheinungen mit sich. Was die meisten Menschen nicht wissen: Häufig lauern einige versteckte Gefahren in der Stressbewältigung. Diese Gefahren können dafür sorgen, dass du mit deiner Stressbewältigung genau das Gegenteil von dem erreichst, was du eigentlich erreichen willst. Ehe du dich versiehst, sorgt deine vermeintliche Stressbewältigung für noch mehr Stress. Wie es dazu kommt und wie du es verhindern kannst, darauf will ich heute eingehen.

Stressbewältigung, die keine ist

Zu aller erst will ich das gefährliche Halbwissen aus der Welt schaffen. Nach einem stressigen Arbeitstag sollte man die Füße hochlegen. Denn das entspannt. Oder etwas doch nicht? Diese Aussage könnte nicht weiter von der Realität entfernt sein. Aber erst einmal musst du verstehen, wie Stress funktioniert. Stress ist ein “Flucht-oder-Kampf-Mechanismus”. Und was haben Flucht und Kampf gemeinsam? Richtig. Jede Menge Bewegung. Denn Bewegung ist (neben Schlaf) der wichtigste Mechanismus des Körpers, um Stress abzubauen. Wenn du gestresst bist, du dich aber unzureichend bewegst, kannst du folgende Symptome beobachten:

Anspannung

Dein Körper macht alle Muskeln startklar zur Flucht bzw. zum Kampf

Übelkeit

Da dein Magen weder in einer Flucht- noch in einer Kampfsituation gebraucht wird, wird die Blutzufuhr zum Magen erheblich eingeschränkt. Es kommt zu Übelkeit.

Veränderte Atmung

Um deine Ausdauer in einer Flucht- oder Kampfsituation zu erhöhen, läuft deine Lunge auf Hochtouren

Herzrasen

Damit dein Körper in einer lebensbedrohlichen Situation ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden kann, muss nicht nur die Lunge auf Hochtouren laufen, sondern auch dein Herz.

 

Es ist völlig verständlich, dass du diese Symptome nicht dauerhaft mit dir herumschleppen willst. Deshalb macht es Sinn, dem Stress den Kampf anzusagen. Ich möchte heute auf die beliebtesten Stressbewältigungsmethoden eingehen und was du beachten solltest, um nachher nicht mit noch mehr Stress dazustehen.

 

Sport

Sport und Bewegung sind neben einem erholsamen Schlaf die größten Stresskiller. Genau aus diesem Grund greifen viele Gestresste regelmäßig auf Sport zurück. Ob es sich um Ausdauer- oder Kraftsport handelt, ist dabei übrigens völlig irrelevant. Doch Sport wirkt nicht immer nur entspannend, sondern kann auch das komplette Gegenteil bewirken. Nämlich dann, wenn du es maßlos übertreibst. Kommt es zum sogenannten Übertraining, belastest du dein zentrales Nervensystem so sehr, dass dein Körper anstatt mit Entspannung, mit einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen reagiert.

Regeneration

Egal ob du Ausdauersport oder Kraftsport betreibst: Die Regeneration ist ein wichtiger Prozess. Denn bleibt die Regeneration aus, reagiert der Körper gestresst. Gibst du dem Körper nach dem Training nicht genug Zeit zum Regenerieren, reagiert er gestresst. Dieser Stress macht sich dann wiederum nicht nur körperlich, sondern auch geistig bemerkbar. Damit Sport als Stress-Ventil dienen kann, brauchst du also gewisse Ruhephasen nach dem Sport. Anstatt also 6 Tage die Woche ins Fitnessstudio zu gehen und das Eisen zu stemmen, solltest du dem Körper je nach Trainingsintensität ein paar Tage Zeit zwischen den einzelnen Trainingseinheiten geben.

Sport und Magnesium

Fängst du an, dich häufiger und intensiver zu bewegen, laufen auch deine körpereigenen Stoffwechselprozesse auf Hochtouren. Um diese Stoffwechselprozesse richtig ausführen zu können, benötigt der Körper sogenannte Mikronährstoffe. Zu den Mikronährstoffen zählen in aller erster Linie:

  • Vitamine
  • Mineralstoffe
  • Spurenelemente

Zu diesen Mikronährstoffen gehört auch Magnesium. Da Magnesium starken Einfluss auf dein Stressempfinden so wie deine Stressresistenz hat, wird es auch das Salz der inneren Ruhe genannt. Bist du gestresst, scheidet der Körper Magnesium aus. Hinzukommend haben Menschen, die regelmäßig Sport treiben, einen höheren Magnesiumbedarf. Bist du gestresst, liegt es nahe, dass du nicht ausreichend Magnesium im Körper hast, da dieses ja (wie oben schon beschrieben) bei Stress vom Körper ausgeschieden wird. Durch den Sport verbrauchst du noch mehr Magnesium, da es unter anderem beim Sport ausgeschwitzt wird.

Es gibt also 2 Faktoren, die deinem Körper Magnesium entziehen. Wenn du nun aufgrund einer schlechten Ernährung nicht genug Magnesium durch deine Nahrung aufnimmst, kommt es zu einem Mangel. Durch einen Magnesiummangel reagierst du deutlich sensibler auf Stress, denn ohne Salz der inneren Ruhe, gibt es keine innere Ruhe.

Mehr zum Thema Mikronährstoffe erfährst du in meinem Blogbeitrag: Mikronährstoffe gegen Stress, Angst und Depression

Klein anfangen

Wenn du den Sport für dich entdeckt hast, bietet es sich an, klein anzufangen. Anstatt also direkt 6 Tage die Woche im Gym zu verbringen, solltest du vielleicht mit 3 Tagen die Woche anfangen und alle nötigen Parameter anpassen (Kalorienmehrbedarf, Mikronährstoffe). So kann sich der Körper leichter an die Umstellung gewöhnen. Hinzukommend sinkt das Risiko, direkt zu Anfang ins Übertraining zu fallen, in ein Kaloriendefizit oder einen Nährstoffmangel zu rutschen.

Kaloriendefizit

Jede einzelne Bewegung am Tag verbraucht Energie. Wenn du nun mit Sport beginnst, steigt logischerweise auch die benötigte Energie. Wenn du dich mit deiner Ernährung an einem Punkt befindest, an dem du dein Gewicht konstant hältst, wird Sport dafür sorgen, dass du unweigerlich abnimmst.

Diese Abnahme an Körpergewicht entsteht durch ein Kaloriendefizit. Doch was ist so schlimm daran? Ein kleines Kaloriendefizit macht auf kurze Dauer keine Probleme. Es wird jedoch problematisch, wenn du über längere Dauer hinweg ein großes Kaloriendefizit an den Tag legst. Denn dann merkt der Körper: Hey. Es ist nicht genug Nahrung vorhanden. Es ist wohl besser, wenn ich in den Überlebensmodus schalte. Dieser “Überlebensmodus” sorgt dafür, dass der Körper Stresshormone ausschüttet. Denn was ist stressiger, als das Signal, dass man auf dem direkten Weg in den Hungertod ist? Es ist also wichtig, dass du einen ungefähren Überblick über deine Kalorienzufuhr und deinen Kalorienverbrauch hast.

Dafür gibt es im Internet unzählige Apps und Rechner. Um dir die Suche abzunehmen, habe ich dir mal so einen Rechner herausgesucht -> Klick

 

Kommen wir nun zu einer weiteren, mittlerweile sehr beliebten Methode, Stress abzubauen.

Meditation

Oft hört man den Satz: “Man kann nicht falsch meditieren”. Dieser Aussage stimme ich aber nicht zu. Nur weil jemand mit geschlossenen Augen auf einer Stelle sitzt, heißt das noch lange nicht, dass er meditiert. Man kann genauso gut mit geschlossenen Augen nachdenken. Und genau an dieser Stelle liegt meiner Meinung nach das größte Problem. Besonders Anfänger neigen dazu, sich während der Meditation an Gedankengängen à la “mach ich das richtig?” festzuklammern.

Natürlich gelingt es besonders am Anfang kaum, Gedanken einfach vorbeiziehen zu lassen. Mittlerweile habe ich jedoch das Gefühl, dass viele nicht verstehen, was Meditation eigentlich bezwecken soll bzw. was man damit trainieren soll. Meditation ist nun mal kein bloßes Sitzen mit geschlossenen Augen. Meditation ist ein aktiver Prozess. Das ist aber nicht das einzige Problem. Oft wird die Meditation mit einer Intention belegt. Das bietet natürlich Unmengen an Angriffsfläche für Enttäuschungen.

Der Weg ist das Ziel

Meditation ist ein Prozess, bei dem du nicht von heute auf morgen schillernde Erfolge erzielst. Das führt oft dazu, dass viele Meditierende mit falschen Erwartungen an die Sache herangehen und dann nach ein paar Tagen oder Wochen bitter enttäuscht sind.

Wenn du zum Beispiel an extremen Stresssymptomen leidest, solltest du trotzdem nicht mit dem Ziel an die Meditation herangehen, diesen Stress loszuwerden. Denn somit verknüpfst du die Meditation direkt mit einer besonderen Erwartungshaltung. Nämlich mit der, dass dein Stress aufgrund der Meditation verschwindet. Wenn du dann nach Tagen oder Wochen keine Besserung feststellst, bist du enttäuscht und gestresst. Und das, obwohl die Meditation genau das Gegenteil bewirken sollte.

Situationen nicht zu bewerten, ist einer der größten Faktoren in Sachen Achtsamkeitsübungen. Wenn du dann direkt mit der Intention in die Meditation gehst, dass du deinen Stress unbedingt loswerden musst, weil dieser schlecht ist, hast du einen der Grundgedanken der Meditation direkt im Keim erstickt.

“Richtig” atmen

Noch ein kleiner Tipp, der deine Meditation erleichtern wird. Wenn du dich erst seit kurzem mit einer Meditation beschäftigst, die ihren Achtsamkeitsschwerpunkt auf die eigene Atmung setzt, versuche deine Atmung nur zu beobachten und nicht ständig darüber nachzudenken.

Ich habe mich zu Beginn immer wieder dabei ertappt, wie ich meine Atmung aktiv beeinflusst habe, anstatt diese einfach nur wahrzunehmen bzw. zu beobachten. Das führt dann im Endeffekt natürlich dazu, dass man anstatt zu meditieren, eigentlich nur über seine Atmung nachdenkt. Anstatt das eigene Gedankenkarussell zu beruhigen, treibt man es nur noch schneller an. Statt Entspannung erntet man Stress.

 

Routine

Ganz egal welche Methode zur Stressbewältigung du für dich entdeckt hast: Du musst sie zu einer Routine machen. Nach dem Sport spürst du eine Erleichterung, die über mehrere Stunden anhalten kann. Machst du den Sport jedoch zu einer täglichen Routine, kannst du dauerhaft von diesen Vorteilen profitieren.

Bei der Meditation ist das Ganze noch strikter. Denn Meditation bringt auf kurze Dauer in den meisten Fällen rein gar nichts. Ich sage immer: Wenn man sich dazu entscheidet, Meditation in sein Leben zu lassen, dann sollte man diese auch täglich bis an sein Lebensende ausführen. 15-20 Minuten am Tag reichen völlig aus. Aber nur wenn die Meditation auch diszipliniert und regelmäßig ausgeführt wird, kann sie ihr volles Potenzial entfalten.

 

 

 

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1 Comment

  • Kay

    Reply Reply 16. September 2018

    Ein wichtiges Thema, denn oft sorgt man mit dem Versuch, seinen Stress zu bewältigen, für noch mehr Stress.
    Sport ist für mich persönlich eine absolute Wunderwaffe für Entspannung, wohingegen Meditation bei mir zu einer inneren Anspannung führt. Ich denke jeder muss seine eigene Methode zur Stressbewältigung finden, aber deine Tipps sind da auf jeden Fall sehr hilfreich!

    Liebe Grüße, Kay
    http://www.twistheadcats.com

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